Sonderprogramm im filmclub Münster: Die zerstörerische Präsenz des Krieges

Die für März 2022 geplanten 14. Russischen Filmtage Münster wurden wegen des völkerrechtswidrigen Krieges Russlands gegen die Ukraine abgesagt. Nun werden Anfang November zwei Filme gezeigt, die den Fokus auf die seelischen und emotionalen Zerstörungen durch den Krieg richten.

Familienbande/Rodnye: Samstag, 05.11. 2022, 19:45 Uhr - in Anwesenheit des Regisseurs
Bohnenstange/ Dylda: Montag, 07.11. 2022, 19:45 Uhr
Schloßtheater, Melchersstraße 81, Münster

RodnyeCloseRelations_filmstill01_mainmotive.jpegIn seinem Dokumentarfilm „Familienbande/Rodnye" durchquert der russisch-ukrainische Regisseur Vitali Manski nach der Maidan-Revolution 2014 die Ukraine. Im Spiegel seiner eigenen großen Familie erforscht er die Gründe des russisch-ukrainischen Konflikts. Er besucht sie in Lwiw und Odessa, im Donbass und in Sewastopol auf der Krim und zeigt, wie der Konflikt selbst nächste Angehörige entzweit.

Die Gespräche mit dem Regisseur und zwischen den Verwandten aller Generationen geben Einblicke in die tiefen Wurzeln des russisch-ukrainischen Konflikts, die in den jahrhundertelangen Verbindungen zwischen den beiden Ländern liegen. Die unterschiedlichen Identitäten der Familienmitglieder spiegeln den schwierigen Prozess der Emanzipation und der Nationenbildung der Ukraine. Der Film vergegenwärtigt dem deutschen Publikum außerdem, dass die Ukraine sich seit 2014 im Krieg befindet.

„Familienbande" wurde auf zahlreichen internationalen Festivals vorgestellt (Toronto, London, KarlovyVary) und erhielt Auszeichnungen als bester Dokumentarfilm u.a. Lettischer Filmpreis Lielaisv Kristaps 2016 in den Kategorien Beste Dokumentarfilm-Regie und Bester Dokumentarfilm.

Vitali Manski wurde 1963 in Lwiw geboren. Er studierte Kinematographie in Moskau. Für seine mehr als 30 Filme erhielt er mehr als 100 Auszeichnungen. Manski ist Präsident des Filmfestivals ARTDOCFEST, das seit 2021 nicht mehr in Russland ausgerichtet werden darf. Seit 2014 lebt und arbeitet er in Lettland. Vitaly Manskiy.jpg



Zur Vorstellung seines Films und zur Diskussion mit dem Publikum kommt Regisseur Vitali Manski nach Münster.


In eine andere Zeit, einen anderen Krieg führt uns der zweite Film. Die kollektive seelische Verwüstung ist dieselbe.

Der Film "Bohnenstange/Dylda" des jungen Regisseurs Kantemir Balagow spielt 1945 in Leningrad. Der Zweite Weltkrieg hat nicht nur die Stadt, sondern auch die Seelen der Menschen verwüstet. Obwohl die 900- tägige Blockade durch die deutsche Wehrmacht endlich vorbei ist, geht der Kampf um Leben und Tod weiter. Still 4.jpg

Ija, eine hochgewachsene junge Frau, hat den kleinen Sohn ihrer Freundin Mascha durch den Krieg gebracht. Doch Ija leidet unter posttraumatischen Schockstarren, und bei einem Anfall geschieht ein tragisches Unglück. Als Mascha von der Front in die zerstörte Stadt zurückkehrt und vom Tod ihres Sohnes erfährt, verlangt sie von Ija, dass sie ihre Schuld begleicht ...

Balagows Film ist inspiriert durch das Buch der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexejewitsch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht". Der Regisseur schreibt über seine Intention: „Ich interessiere mich für das Schicksal von Frauen und insbesondere von Frauen, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. Daten zufolge war dies der Krieg mit der höchsten Beteiligung von Frauen. Als Autor bin ich daran interessiert, eine Antwort auf die Frage zu finden: Was passiert mit einer Person, die Leben geben soll, nachdem sie einen Krieg durchlaufen hat?"

Der 28-jährige Regisseur Kantemir Balagow, trat mit "Bohnenstange" bereits zum zweiten Mal in Cannes mit einem außergewöhnlichen Film an. Bereits 2017 erhielt er dort in der Section Un certain Regard den FIPRESCI-Preis für seinen Debutfilm "Enge/Tesnota". Für "Bohnenstange" bekam er bei Un certain Regard den Preis für Beste Regie. Er lebt seit Beginn des Krieges in den USA. Beanpole-Director's Still.JPG

Die gemeinsame Veranstaltung der Filmwerkstatt Münster und der Gesellschaft zur Förderung der deutsch-russischen Beziehungen Münster / Münsterland e.V. wird im filmclub münster-Programm im Schloßtheater präsentiert. Sie wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Kulturamt Münster, der Sparkasse Münsterland und dem Integrationsrat der Stadt Münster.


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