Wiederholung - Filmreihe Zur Ausstellung

Zur Ausstellung mit Saâdane Afif, Rachal Bradley, Matti Braun, Ruth Buchanan, Natalie Czech, Alexandra Leykauf, Shahryar Nashat, Harald Popp vom 17. Mai - 27. Juli 2014 im Landesmuseum Münster präsentiert der Westfälische Kunstverein gemeinsam mit dem filmclub münster vom 11. Juni - 2. Juli 2014 eine Filmreihe zum Thema der Wiederholung im Kino Schloßtheater.

Mittwoch, 11. Juni um 18:30 Uhr
Charlie Kaufman: „Synecdoche, New York“,
2008 (124 min.) engl. Original mit dt. Untertiteln
"Synecdoche, New York" erzählt die tragisch-komische Geschichte eines Regisseurs, der durch seine Arbeit an einem neuen großen Stück eine Lebenskrise in den Griff zu bekommen versucht. Indem er eine Lagerhalle in Manhattan mietet und dort nicht nur die Stadt, sondern auch seine eigene Person, sein gesamtes soziales Umfeld und Handeln nachstellen lässt, hofft er seiner selbst grundlegend näherzukommen. Doch das Bemühen um das Begreifen des eigenen Selbst mittels Wiederholung führt in absurden
Vervielfältigungsszenarien nur zu immer weiteren Verwicklungen, sodass er sich zusehends von seinem Ziel entfernt.

Montag, 16. Juni um 18:30 Uhr
Chris Marker & Alain Resnais „Les statues meurent aussi“,
1953 (30 min.) frz. Original
Chris Marker: „Level Five“,
1997 (106 min.) frz. Original mit engl. Untertiteln
Kollektive und individuelle Erinnerung stehen im Fokus des französischen Filmemachers Chris Marker. Dabei nehmen die Konzepte Wiederholung und Authentizität stets eine herausragende Stellung ein, bemüht sich Marker doch um das Entlarven dominanter Bilder uns Geschichtskonstruktionen.
„Les statues meurent aussi“, ein Gemeinschaftsprojekt von Marker und Alain Resnais von 1953, befasst sich mit Afrikanischer Kunst und wie diese unter dem Einfluss der Kolonisation in Europa wahrgenommen und interpretiert wurde.

„Level Five“ erzählt die Geschichte von Laura, einer französischen Programmiererin,
die ein neues Computerspiel entwickelt, das die Schlacht um Okinawa im Zweiten Weltkrieg zum Thema hat. Das (unmögliche) Ziel des Spiels besteht darin, die Schlacht so oft zu wiederholen, bis sie einen positiven Ausgang für Japan nimmt.
Auch hier vermischen sich historische Geschichte(n) und persönliche Erinnerung: wie definieren und strukturieren wir uns stets aufs Neue angesichts von neuen Beweisen und verblassenden Erinnerungen und Wissen?

Mittwoch, 18. Juni um 18:30 Uhr
Michael Haneke: „Caché“, 2005 (117 min.)
Caché“ – verborgen, verdrängt sind in diesem Psycho-Drama von Michael Haneke die unsichtbaren Kindheitswunden eines Pariser Familienvaters.
Ein scheinbar perfektes Leben führen Georges und Anne Laurent gemeinsam mit ihrem Sohn Pierrot, bis ihnen rätselhafte Videoaufnahmen zugestellt werden. Diese Videobotschaften werden so geschickt in die Realitätsebene des Films eingebaut, dass man als Zuschauer oft nur schwerlich zwischen diesen beiden Erzählkomponenten unterscheiden kann. Nach und nach lässt sich die Verbindung der Videos zur persönlichen Geschichte Georges’ ziehen – unter neuen, veränderten Bedingungen kommen lang verdrängte Ereignisse wieder zum Vorschein.

Montag, 23. Juni um 18:30 Uhr
Spike Jonze: „Adaptation“,
2002 (110 min.) engl. mit dt. Untertiteln
Mit ausgezeichneter Besetzung durch Nicholas Cage, Meryl Streep und Tilda Swinton, inszeniert Spike Jonze ein Drehbuch von Charlie Kaufmann, das selbstreflexiv vom Filme schreiben handelt. Kaufmann verhandelt seine selbsterfahrene Schreibblockade, indem er nicht nur die Hauptfigur nach sich benennt, sondern diese durch einen Zwillingsbruder verdoppelt. Während Kaufmann im Film bei der Adaption des Romans "der Orchideen-Dieb" an seinem Anspruch einer exakten Wiederholung des langsam erzählten Stoffes
scheitert, trumpft sein arbeitsloser Bruder nach einem populären Drehbuchkurs mit einem Erstlingswerk auf, das er teuer an ein Studio verkaufen kann.

Mittwoch, 25. Juni um 18:30 Uhr
Alain Resnais: „Letztes Jahr in Marienbad“,
1961 (90 min.) frz. Original mit dt. Untertiteln
„Letztes Jahr in Marienbad“ trafen sich ein Mann und eine Frau. Sie verabredeten sich zu einem Wiedersehen am selben Ort ein Jahr später, um dann ein gemeinsames Leben zu beginnen. Soweit die Überzeugung des Mannes – die Frau hingegen erinnert sich trotz seines Insistierens an nichts.
Alain Resnais verfilmt hier das Drehbuch von Alain Robbe-Grillet und schafft mithilfe zahlreicher Rückblenden und Verschachtelungen eine Ambiguität, die es dem Zuschauer unmöglich macht, sich sicher zu sein, ob das Gezeigte Gegenwart oder Erinnerung ist, Traum oder Wachtraum.

Montag, 30. Juni um 19 Uhr
Ingmar Bergman: „Persona“,
1966 (84 min.) schwedisches Original mit dt. Untertiteln
"Persona" ist die Geschichte einer verstummten Schauspielerin und ihrer Krankenschwester. Sie erzählt wie die zwei Frauen bei einem Kuraufenthalt am Meer zusehends in eine gefährliche Beziehung geprägt von Projektion und Identifikation, Nähe und Distanz geraten.
Bergmans formales Spiel mit Verdopplungen, wiederholt sich hier auch psychologisch. Einen Ausweg scheint nur die Zerstörung der Projektion und somit der Frauen zu bieten.
Die kritische Auseinandersetzung mit Mechanismen der Identifikation verschränkt sich mit einer selbstreflexiven Betrachtung des Mediums Film.

Mittwoch, 2. Juli um 19 Uhr
Jim Jarmusch: „The Limits of Control“,
2009 (117 min.) engl. mit dt. Untertiteln
Jim Jarmuschs überwältigend bildstarker Film "The Limits of Control" ist ein Anti-Thriller. Mit maximaler Entschleunigung schickt er einen Auftragskiller auf eine kryptische Reise. Wiederholung dient als zentrales dramaturgisches Mittel, bedenkt man die kontrollierten, ritualisierten Handlungsabläufe des einsamen Protagonisten oder die déjà-vu-artigen
Strukturen der Dialoge. Während er selbst bei seinen wechselnden Begegnungen kaum spricht, verlieren sich seine Gegenüber in wiederkehrenden und nur leicht variierenden poetischen und philosophischen Betrachtungen.