LOOK & LISTEN - Jazzfilme Herbst 2019

Die filmclub-Reihe LOOK & LISTEN läuft im Herbst immer einmal im Monat mittwochs im Cinema. Gemeinsam mit cuba-cultur und Norbert Nowotsch präsentiert der filmclub selten gezeigte Dokumentationen und Musikerporträts in einmaligen Vorstellungen. Eintritt jeweils 8 Euro / 6 Euro mit filmclub-Karte

Miles-Davis_c_Rex.jpgDie ersten Termine im Herbst:

Mi 11. September 2019, 21:00 Uhr:

Miles Electric: A Different Kind of Blue
Regie: Murray Lerner, 2004, 123 min.

Im Zentrum des Films des Oscar-Gewinners Murray Lerner steht der komplette 38 minütige Auftritt Miles Davis beim Isle of Wight Festival mit Gary Bartz, Chick Corea, Keith Jarrett, Dave Holland, Jack DeJohnette & Airto Moreira. In begleitenden Interviews stellt Lerner den historischen Kontext her. In den Interviews kommen u.a. Herbie Hancock, Chick Corea, Carlos Santana, Joni Mitchell, Keith Jarrett und Dave Liebman zu Wort. Anhand weiteren Live-Materials und mit Ausschnitten aus dem Album "Bitches Brew", diskutiert der Film Miles' kontrovers diskutierter Entscheidung, seine Musik mehr in eine elektrische, rockorientierte Richtung zu lenken.

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Mittwoch 9. Oktober 2019, 21:00 Uhr:

Zwei Filme der Videokünstlerin Carol Goss (ca. 90 min.)

"NEON" enthält auf Schallplatte bisher unveröffentlichte Aufnahmen. Die Musik wird von einem elektronisch bearbeiteten Film begleitet, der 1976 von Carol Goss in Tokio gedreht wurde - mit dem Paul Bley Quartett (1976, 28 min.)

"CALCUTTA" fängt ein Duett zwischen Bley und Glen Moore ein. Ihrem Zusammenspiel von spontaner Improvisation folgen Carol Goss und Zoa mit Handkameras, und einer improvisierten Kolorierung und Mischung des Filmmaterials durch Walter Wright - mit Paul Bley, Glen Morre u a. (1977, 45 min.)

Paul Bley (*1932 – 2016) war einer der einflussreichsten Jazzpianisten der Free Jazz Ära und des zeitgenössischen Jazz. Er veröffentlichte zwischen 1953 und 2008 85 Alben als Leader. Er war neben Don Cherry, Charlie Haden und Ornette Coleman in der Avantgarde-Bewegung der späten 50er und frühen 60er Jahre führend. Aber er war sehr viel mehr als ein Free-Jazz-Spieler. Seine Bebop-Wurzeln entstammten der Zeit, als er Anfang der 50er Jahre Teil des Jazz-Workshops in Montreal war und mit Charlie Parker, Charles Mingus und Art Blakey Aufnahmen machte.

Bleys Experimentierphase mit elektronischen Instrumenten Ende der 60er Jahre mit der Paul Bley-Anette Peacock Synthesizer Show war sowohl außergewöhnlich als auch seiner Zeit voraus.

Die Münstersche Zeitung schrieb 1977 zu einem Konzert des Kunstvereins mit Paul Bley und Gary Peacock im Landesmuseum: „Der Pianist Paul Bley - ewiger Avantgardist und ewiger Klassiker. Ein Avantgardist, weil er immer seiner Zeit vorausspielte und ein Klassiker, weil er es schon so lange tut...Fast unmerklich verschmelzen dissonante und bizarre Parts im Gesamtkonzept. Das der Musik der beiden oft zugedachte Attribut „Free Jazz“ klingt an einem solchen Abend wie ein Fremdwort.“

Carol Goss, seit 1974 Ehefrau von Paul Bley, gehört zu den Videokünstlerinnen der ersten Stunde, ihre beiden im Cinema zu sehenden Arbeiten sind geprägt von der „elektronischen Visualität“ der Frühzeit, starke Farben und Kontraste, dazu Bildüberlagerungen und collagenhafte Verbindungen. Zu dieser Zeit gab es noch keine entsprechenden Bearbeitungsgeräte zu kaufen, so basierte die Arbeit der Künstler und Künstlerinnen immer auf einer Kooperation mit Film-Technikern.

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