LOOK & LISTEN - Jazzfilme April bis Juni 2019

Seit April läuft die filmclub-Reihe LOOK & LISTEN abwechselnd mittwochs im Cinema und donnerstags in der black box im Cuba. Gemeinsam mit cuba-cultur und Norbert Nowotsch präsentiert der filmclub selten gezeigte Dokumentationen und Musikerporträts in einmaligen Vorstellungen. Die Filme sind im Wechsel zu sehen. Eintritt jeweils 8 Euro / 6 Euro mit filmclub-Karte

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TERMINÜBERSICHT:

Mi 10.04., 21 Uhr Cinema
Brother Yusef
R: Nicolas Humbert und Werner Penzel | 2005 | 51 min.| engl.

Do 18.04., 20 Uhr Black Box
Eric Dolphy - The Last Date
R: Hans Hylkema |1991| 92 min.

Mi 08.05. 21 Uhr Cinema
Sing! Inge, Sing
R: Marc Boettcher |118 min.

Do 16.05. 20 Uhr Black Box
Michael Rüsenberg...

Mi 12.06., 21 Uhr Cinema
Rahsaan Roland Kirk: The Case of the Three Sided Dream

Do 20.06. 20 Uhr Black Box
Archie Shepp: Je suis Jazz... c'est ma vie

p_h-brother_yusef(1).jpgMi 10.04., 21 Uhr Cinema
Brother Yusef
R: Nicolas Humbert und Werner Penzel | 2005 | 51 min.| engl.

Jazz war immer mehr als nur eine Musik, es war und ist eine Lebenshaltung, ein Glaubensbekenntnis und Ausdruck einer Herkunft. Jazz ist schwarze Musik, gewachsen in einem weissen Land. Von den großen alten Meistern des Jazz sind nur noch wenige am Leben. Einer von ihnen ist der Saxophonist und Komponist Yusef Lateef, Zeitzeuge einer Ära schwarzer Kultur, die in der Musik vielleicht ihren stärksten Ausdruck fand. Zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen lebte der 84-jährige, zurückgezogen in einem kleinen Holzhaus in den Wäldern von Massachussets in einem Zimmer voller Instrumente. Die beiden Filmemacher Nicolas Humbert und Werner Penzel haben ihn dort besucht und ein intimes filmisches Porträt seiner Person und seiner Musik geschaffen.

Do 18.04., 20 Uhr Black Box
Eric Dolphy - The Last Date

R: Hans Hylkema |1991| 92 min.

Eine Biografie des Saxophonisten, Klarinettisten und Flötisten Eric Dolphy, der 1964 im Alter von 36 Jahren verstarb. Der Film zeigt seinen letzten Monat, seine letzte Aufnahmesitzung, seine Zusammenarbeit mit Charlie Mingus und die Erinnerungen von Freunden und Kollegen.

Der Dokumentarfilm des niederländischen Fernsehens über den frühverstorbenen Eric Dolphy erinnert an die letzte Europa-Tournee des Exil-Amerikaners. Der Film ist gleichsam in eine doppelte Rahmenhandlung gepackt: Einerseits ist der französische Musiker und Buchautor Thierry Bruneau auf Spurensuche für seine Untersuchung, zu dem er Kollegen, Verwandte, Bekannte von Dolphy vor Ort in Los Angeles besucht und befragt hatte, um etwas über ihn in Erfahrung zu bringen. Andererseits bilden Dolphys famosen Rundfunk-Aufnahmen (Album: Last Date) mit Misha Mengelberg, Jacques Schols und Han Bennink den zweiten Teil des Films. Zu Wort kommen auch der Produzent Aad Bos, der inzwischen verstorbene Kritiker Michel De Ruyter, der Komponist Theo Loevendie und ehemaligen Mitglieder der Boy Edgar Big Band. Jahrzehnte nach den zufälligen Aufnahmen der Session treffen sie sich im selben Rundfunkstudio in Hilversum wieder.

Mi 08.05. 21 Uhr Cinema
Sing! Inge, Sing
R: Marc Boettcher |118 min.

R: Marc Boettcher |118 min.Der Jazz in Deutschland hatte eine Stimme: Inge Brandenburg. Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, frühzeitig gewohnt, auf eigenen Beinen zu stehen, Ende der 1950er Jahre plötzlich als beste europäische Jazzsängerin gefeiert, vom Time Magazin mit Billie Holiday verglichen, auf Händen getragen von den Musikern - und ignoriert und (erfolglos) auf Schlager reduziert von der deutschen Plattenindustrie ... Ein Frauenschicksal der 1950er und 60er Jahre, einer Zeit, in der es in Deutschland keinen Platz gab für selbstbewusste Frauen mit überregionalen Träumen, mit dramatischem Interpretationsstil und einer emanzipierten Erotik. Erst durch SING! INGE, SING! wird es möglich, eine große deutsche Künstlerin zu entdecken!

Do 16.05. 20 Uhr Black Box
Schöne Poesie ist Krampf
R:Michael und Joachim Rüsenberg | D 1988 | 57 min.

Zwanzig Jahre nach den Essener Songtagen, treffen die Dokumentarfilmer Michael und Joachim Rüsenberg Zeitzeugen in der Essener Grugahalle. Wie blicken ehemalige Teilnehmer und Besucher auf das Chaos-Festival zurück? Die Dokumentation, die 1989 mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet wurde, ist eine Mixtur aus Interviews und Originalaufnahmen aus dem Jahr 1968.

und

Doldinger kontra Brötzmann
Wie der FreeJazz 1967 über das Deutsche Fernsehen hereinbrach.
Eine Podiumsdiskussion mit Musik von Klaus Doldinger und Peter Brötzmann. (45. Min.)
An einem Freitagnachmittag (!) des Jahres 1967 sitzen sieben Herren in einem TV-Studio des WDR an Werner Höfers Frühschoppen-Tisch und diskutieren im Ersten (!) den Free Jazz.

Moderation und Hintergrundinformation: Michael Rüsenberg

Mi 12.06. 21 Uhr Cinema
Rahsaan Roland Kirk: The Case of the Three Sided Dream
R: Adam Kahan | 2014 | 107 Min.

Die beeindruckende Lebensgeschichte des Multiinstrumentalisten Rahsaan Roland Kirk - vom blinden Wunderkind zum Visionär und politischen Aktivisten.
Roland Kirk war einer der besonderen Musiker, der es trotz seiner Erblindung im Alter von 2 Jahren bis ganz nach oben geschafft hat und als ein Wunderkind des Modern Jazz gilt. Charakteristisch für seine Musik war das gleichzeitige Spielen von drei Saxofonen und das Spiel mit Zirkularatmung, eine spezielle Atemtechnik, die es ermöglicht ohne Atempause oder Absetzen der Instrumente lange ununterbrochene Linien zu spielen.
Dabei kombinierte er traditionelle und moderne Spielweisen des Jazz wie Soul Jazz, Boogie-Woogie und Free Jazz.

Im Alter von 40 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, erlitt Rahsaan einen Schlaganfall und blieb halbseitig gelähmt. Er setzte jedoch seine musikalische Karriere fort, er ging weiter auf Tour und spielte nun einhändig mit eigens modifizierten Saxophonen ... bis zu seinem letzten Tag.


„Wisst ihr, Musik ist eine schöne Sache. Wenn ich wiedergeboren werde, möchte ich als Musiknote zurückkommen! So kann mich niemand fangen. Sie können mich benutzen, so viel sie wollen, es kann gar nicht zu viel sein. Sie können mich durcheinanderbringen. Sie können die falsche Note spielen. Sie können ein C spielen, aber sie können kein C zerstören. Es ist nur ein Ton. Also komme ich als Note zurück.” (Rahsaan Roland Kirk)

Do 20.06. Black Box
Archie Shepp: Je suis Jazz... c'est ma vie
R: Frank Cassenti | 1984 | 52 min.

Frank Cassenti, Filmemacher und Musiker, ist 1984 ein außergewöhnliches Filmportät einer der bis heute umstrittensten Persönlichkeiten des Jazz gelungen, den Multi-Instrumentalisten, Komponisten, Poeten, Stückeschreiber, Schauspieler und Theaterwissenschaftler Archie Shepp.

Er wollte ihn als schwarzen amerikanischen Intellektuellen zeichnen, der stets musikalisch, mit Körper und Seele, auf die unterschiedlichen Erschütterungen und Schläge der Gesellschaft reagiert hat. Cassenti zeigt Shepp mit prägnanten Statements zu den afrikanischen Wurzeln und dem revolutionären Anliegen des Jazz ebenso wie in hoch emotionalen, virtuosen Konzertauftritten.

Archie Shepp war nicht nur musikalischer Pionier, sondern auch politisches und soziales Sprachrohr eines neuen schwarzen Selbstbewusstseins und ist bis heute als Saxofonist einer der wenigen Überlebenden aus der klassischen Moderne des Jazz.